Biografie

Der bunte Mann

1998 habe ich angefangen, im Rahmen meiner 1. Website, eine Biographie ins Netz zu stellen. In den Jahren wurde es immer mehr und mehr und so brachte ich meine Autobiographie am 12.08.2010 als Buch "Der bunte Mann" auf den Markt mit einer Auflage von 750 Stück. Diese sollte meine Webside-Biographie ersetzen. Tja, der Verkauf war zögerlich aber mir hat es Spaß gemacht. Wer das Buch besitzt sollte es behalten denn es wird ziemlich sicher keine 2. Auflage geben.

Nun will ich es aber nicht versäumen hier einen Auszg zu veröffentlichen.

Auszug aus: Der bunte Mann

Obwohl mein Outing als Transvestit bereits einige Jahre zurückliegt, ist mein Entschluss, dieses Buch und somit von meinen Erlebnissen und Erfahrungen zu schreiben und sie zu beschreiben, aus mehrerlei Hinsicht ein wenig kritisch. Wie so vieles, hat auch dieser seit langem in mir entstandene und gereifte Wunsch zwei Seiten.

Zum einen möchte ich mit meinen Aufzeichnungen all jenen, die noch ziemlich am Anfang ihrer persönlichen Entwicklung stehen, Anregungen geben. Also zum Umgang mit der Entfaltung ihrer ganzen, vollständig in ihnen wohnenden Persönlichkeit. Ich möchte aufzeigen, dass ihr Weg und ihre Problematik weder außergewöhnlich oder abwegig, noch in irgendeiner Form gar pervers oder dazu geeignet sind, sich dafür schämen zu müssen. Es ist kein Muss, diese erweiterte Seite ihrer Persönlichkeit im Geheimen und unter dem Deckmantel des absolut Verbotenen und Anstößigen leben zu müssen.
Wie viele derer, die dieses Buch jetzt lesen, lebten oder leben noch immer wie der Dieb in der Nacht. Besetzt von Ängsten und Scham, wenn sie diesen kleinen und für sie doch so wichtigen Ausschnitt ihrer Persönlichkeit ausleben möchten. Einen Teil ihrer Persönlichkeit also, der ihnen dann, wenn sie wieder einmal in die so sinnliche, lustvolle „andere Rolle” schlüpfen, unendlich viel Freude und ein großes Spektrum an Emotionen beschert. Und um dann, wieder zurück in der Persönlichkeit, die ihnen eigentlich von der Natur zugedacht wurde und in der sie sich ausschließlich zu bewegen haben, diese Glücksmomente einmal mehr durch enormen, stetig wachsenden Druck, Schuldgefühle, Traurigkeit einzutauschen?

Wie lange bin ich selbst mit einem Wechselbad der Gefühle zwischen diesen beiden Welten gependelt; habe mich selbst in dieser Gesamtheit verleugnet - vor anderen und auch leider viel zu lange vor mir selbst? Auch weil ich zwar wusste, dass ich dieses Rollenspiel eingehen wollte, aber nicht einordnen konnte, warum genau dem so ist.
Wie oft und wie lange hatte ich das Gefühl, wenn Elli wieder in den geheimen Fächern der Schränke verschwunden war, ich hätte mich eines Verbrechens schuldig gemacht? Ja, genau so kam ich mir allzu oft vor: wie ein Betrüger, der zwar ganz und gar Thomas ist, aber der Elli wie eine hinterrücks gemeuchelte Leiche immer wieder im Keller verstecken musste. Ständig in der Angst und mit der Sorge lebend, diese Leiche könnte quietschlebendig und mit ihrem ganzen koketten, charmanten Wesen und ihren wundervollen Highheels gerade dann die Kellertreppe hochgelaufen kommen, wenn andere sie dabei beobachten? Oft, ja, eigentlich ständig!
Wie oft hatte ich mich wie ein Dieb gefühlt, der sich im Bunde mit Elli eine wundervolle Zeit stiehlt, ein Doppelleben führt - und damit sein Umfeld wie ein Betrüger um die Wahrheit bringt? Ständig.
Wie häufig brachte Thomas Elli beim hastigen Umziehen zurück in die Männerkleidung um den Genuss, den jede Frau verspürt, wenn sie sich die Pumps von den Füßen streift, genüsslich, weil sich überaus gutfühlend, die Strümpfe das Bein hinunter schiebt und nicht nur auf schöne, glattrasierte und gepflegte Beine zu blicken, sondern in Ruhe und Zufriedenheit auch auf einen schönen Tag, einen wundervollen Abend? Oft konnte es nicht schnell genug gehen, dass Elli in diesen Momenten dann in ihren Geheimfächern verschwinden musste, immer in der Angst, ihre Entdeckung könnte nicht Freude und Wohlwollen, sondern Entsetzen verursachen. Und jedes Mal fühlte sich Thomas dabei wie ein Junge, der heimlich und verbotenerweise ein paar Pfennige aus dem Portemonnaie der Oma geklaut hat. Um beim Dorfbäcker die bunten und herrlichen Süßigkeiten aus der Auslage kaufen zu können, die er dann, in einem stillen Winkel am Waldrand verkrochen, mit großer Wonne naschen konnte. Und sobald der letzte süße Genuss seine Zunge verlassen hatte, als Nachhall nicht der wundervolle Geschmack zurückblieb, sondern dumpfe Scham über das Vergehen und den Betrug an anderen und auch an sich selbst sowie Traurigkeit darüber, dass es wieder einmal so schnell vorüber war.

Wie oft kam mir der Satz in den Sinn: „Nie wieder!”? Um nach immer kürzerer Zeit eine immer größer werdende Sehnsucht nach dem Elli-Gefühl zu bekommen …

Die andere Seite, die ich anfangs andeutete, wenn es darum geht, meine Gedanken jetzt zu veröffentlichen, ist die Tatsache, dass Thomas Krebs Elli Hunter zu einer öffentlichen Person macht. Dies also nicht nur in Transvestitenkreisen, sondern weit darüber hinaus. Ich scheue mich natürlich nicht davor, Intimes preiszugeben. Sonst hätte ich mich nicht dazu entschieden, mit diesem Buch und damit ein nahezu vollständiges Bild meines Lebens zu veröffentlichen. Jedoch habe ich immer versucht - nachdem ich meinem privaten und persönlichen Umfeld die Existenz von Elli Hunter preisgegeben hatte - niemanden, soweit mir das möglich war, zu verletzen. Ich habe immer versucht, niemanden mit Elli zu provozieren. Vor allem auch diejenigen nicht, die - etwa aus Unwissenheit oder Scheu oder schlichtweg aus Ablehnung heraus - mit Elli Hunter nichts zu tun haben wollten.

Ich habe versucht, und ich hoffe, es ist mir immer gelungen, Elli Hunter dezent zu leben. Natürlich letztlich auch aus einem gewissen Selbstschutz heraus, um nicht über Gebühr verletzt zu werden. Aber nicht nur.

Niemand muss sich mit diesem Teil meiner Persönlichkeit zwingend auseinandersetzen, nur, weil dieser Teil da ist. Jeder hat das Recht, sich Elli Hunter zu entziehen. Darüber entscheiden, wie ich anderen diese Option offen lassen kann, musste und muss ich selbst. Ich und sonst niemand hat es in der Hand, in welcher Form und in welchem Maße sich die Umwelt mit Elli konfrontiert sieht und mit ihr in Berührung kommt.

Deshalb wird Elli Hunter niemals hysterisch kreischend ein Recht auf Toleranz ihres persönlichen Umfeldes oder der Öffentlichkeit, in der sie sich mittlerweile oft bewegt, einfordern. Ich selbst kann es mit meinem Verhalten und Auftreten steuern, wieviel Toleranz ich den Menschen abverlange, die Elli Hunter begegnen.

Ich denke schon, dass es mir gelungen ist, Elli Hunter niemals eine Brechstange in ihre Hände zu legen, mit der sie mit Vehemenz und Barrieren überschreitender Präsenz Grenzen, die andere gesteckt haben, aufsprengen wollte. Toleranz ist keine Einbahnstraße. Und so hat auch Elli Hunter all jenen Toleranz entgegen zu bringen, die mit ihrer Erscheinung und ihrer Existenz Probleme haben oder von ihr schlichtweg nicht behelligt werden möchten. Auch half dieser Grundsatz, mich selbst vor Verletzungen zu schützen. Ja, ich bin schon etwas stolz darauf, dass ich von keinen Konfrontationen in der Öffentlichkeit berichten kann, die mir oder anderen zusetzen hätte können. Es war eher mein eigener innerer Konflikt, der mich manchmal traurig sein oder auch dann und wann weinen ließ.
Ich möchte auch behaupten, dass es nicht Feigheit war, diesen möglichen Konfrontationen mit der Umwelt bereits im Ansatz aus dem Weg zu gehen. Ich denke, nur wenige aus der sogenannten „Szene” haben sich so häufig in der Öffentlichkeit bewegt wie Elli Hunter. Aber die Elli Hunter in mir ist ein bezauberndes Wesen, das nach Jahren voller Wehmut und Traurigkeit und innerem Druck ein feines Gespür dafür entwickelt hat, wie sie Menschen begegnen sollte. Nicht nur als Mann in Frauenkleidern und in der Frauenrolle, sondern generell in der Begegnung mit Menschen. Die Achtsamkeit, die ich mir für mich wünsche, versuche ich immer, auch anderen zu schenken. Damit bin ich stets gut gefahren. Ausnahmen bestätigen die Regel. Denn meine Zielstrebigkeit und eine damit verbundene Ruppigkeit, die mein nächstes Umfeld, so zum Beispiel meine damalige Frau Renate, zu spüren bekam, ist ein ganz anders Thema. Von daher möchte natürlich auch ich keinen ersten Stein aufheben.

Allerdings hat mich vor allem die Zeit, in der ich meine wahre und ganze Identität im Geheimen und mit dieser umfassenden Lüge leben musste, zu einem guten Beobachter geschult. Einem aufmerksamen Beobachter, der Regungen, Reaktionen und Stimmungen von anderen Menschen schnell und fast schon intuitiv wahrnimmt. Was oft Vorsichtsmaßnahme war, um nicht ungewollt aufzufliegen, wurde auch zur Tugend.
Ich lebte ständig in der Sorge und mit der Angst, entdeckt zu werden oder mich durch bestimmte Verhaltensweisen zu verraten.

Auch wenn Thomas Krebs ein Mann ist, der sich behauptet, der deutlich und angemessen lautstark für seine eigenen Interessen auf den Tisch jedweden Hauses hauen kann, so habe ich erkannt, dass Elli Hunter mit ihren weiblichen Reizen, ihrem Charme und ihrem Feingefühl oftmals schneller sehr viel mehr erreicht. Gerade das ist eine der schönen Seiten dieses Rollenwechsels.
Was mir in den Jahren vor meinem Outing Last war, welche Elli Hunter in ein dunkles Gefängnis sperrte, wurde nach ihrer „Freilassung” zur Lust. Das mag jetzt alles ein wenig pathetisch klingen. Aber so mancher der Leser dieses Buches wäre in der Lage, eine Enzyklopädie über die Zeit des seelischen und ganz realen Zwiespalts, Drucks und Schmerzes und die Auswirkungen der Heimlichkeiten verfassen können, den erweiterten Teil seiner Persönlichkeit nicht frei entfalten zu können.
Seit meinem Outing haben viele Leute Elli Hunter persönlich kennengelernt oder wissen von ihr. Einige leben ganz offiziell und selbstverständlich mit ihr, sobald sie den letzten Pinselstrich ihres Make ups gezogen hat und mit Wonne und Selbstbewusstsein ihr Leben lebt. Andere wissen von ihr, tolerieren sie bestenfalls oder akzeptieren sie einfach, sind ihr jedoch noch nie persönlich begegnet.

Mit diesem Buch werden auch diese Menschen die ganze Elli und damit auch den vollständigen Thomas kennenlernen. Egal, ob dieses Kennenlernen aus Neugierde heraus oder aus dem echten Wunsch nach Verstehen geschieht. Auch wenn das Ergebnis hernach vielleicht kein wirkliches sein mag. Wenn der unbeteiligte Leser, der selbst nicht Transvestit ist, also noch immer nicht nachvollziehen kann, was genau nun diesen Teil in den Menschen ausmacht, die mal in der Rolle des Mannes, mal in der Rolle der Frau ihr Leben führen. Für diesen Fall hoffe ich zumindest, dass ich mit diesem Buch gut unterhalten und den Ausflug in mein Leben auch für diese Leser zumindest interessant gestalten konnte.

Denn irgendwann habe ich einmal mit dem Maße, in dem Elli mehr und mehr leben durfte, erkannt, dass die Zahl der Transvestiten wider Erwarten größer ist, als selbst ich zuvor je vermutet hätte.
„Du glaubst, keinen Transvestiten zu kennen?! Aber viele Transvestiten kennen Dich!”
Das ist keine geschönte Weisheit von mir, sondern ist - für Viele sicherlich erstaunlicherweise - Realität.

In meinem persönlichen Lebensumfeld, also meiner Wohnumgebung, wissen Viele - meist hinter vorgehaltener, jedoch, wie ich erfahren durfte, wohlwollender und tatsächlich toleranter Hand - von Elli Hunter. Es mag für beteiligte und damit „selbst betroffene” Leser umso erstaunlicher sein, dass dies im ländlichen Unterallgäu, einer erzkatholischen und, wie man meinen könnte, sogenannten kleinbürgerlichen und spießigen Welt möglich sein soll. Aber die Menschen in meiner Region haben mir in den Jahren seit der weitgehend öffentlichen Elli Hunter gezeigt, dass diejenigen, die so voreingenommen und damit auch intolerant über ländliche Gebiete urteilen, nicht in derselben Offenheit denken, die sie für sich und ihren Rollenwechsel doch so gerne in Anspruch nehmen möchten.
Außerdem hat sich dieses von mir geprägte Statement vor allem seitdem Elli Hunter Geschäftsfrau mit frau-sein.de geworden ist, mehr als bestätigt. Alleine in einem Radius von fünfzehn Kilometern um meinen Wohnort herum weiß ich von mehr als zwanzig Transvestiten, die ich teilweise sogar schon vorher kannte, aber nichts davon wusste, dass sie „eine von uns“ sind. Wieviele mögen es in diesem ländlichen und eigentlich dünn besiedelten Bereich dann noch sein, von denen niemand etwas weiß? Die vielen neuen Kontakte, die ständig dazu kommen, lassen mich manchmal nur noch staunen.

Elli Hunter richtet mit diesem Buch den Spot auf ihr Gesicht, ihr Inneres und ihre gesamte Erscheinung. Was für einige Menschen sicherlich nicht einfach sein wird, da sie sich hiermit auf eine Bühne stellt und beschauen lässt. Auch an dieser Stelle hoffe ich, niemandem damit zu nahe zu treten. Ich denke dabei beispielsweise an meine Eltern, auf deren Haltung ich im weiteren Verlauf des Buches noch eingehen möchte. Aber auch an andere Menschen, die mir wichtig sind und die sich mit dieser Veröffentlichung, so sie in deren Umfeld bekannt und gelesen wird, einmal mehr auf die Existenz von Elli einstellen müssen.
Natürlich hoffe ich darauf, dass Elli Hunter gefällt. Dies ist nicht (nur) persönliche Eitelkeit: Elli ist ein Stück meiner Seele und mit ihrer Ausleuchtung zeige ich auch ihren verletzbarsten Teil.
Dieses Buch soll jedoch keinen voyeuristischen Zwecken dienen, auch wenn sich dies sicherlich nicht ganz vermeiden lässt. Doch meistens verhält es sich mit den Blicken durch Schlüssellöcher so, dass damit nicht nur eine gewisse Neugierde befriedigt wird, sondern der Schlüssellochgucker auf die eine oder andere Art und Weise selbst Akteur und damit Beteiligter und in irgendeiner Form davon berührt wird. Vielleicht verhilft dieses Buch so manchem zur Erkenntnis, dass man ruhig jedem Tierchen sein Pläsierchen lassen kann. Viele Aufreger schaden ja dem sich Aufregenden gar nicht. Vielleicht erreicht dieses Buch sogar darüber hinaus, dass einige Leser durch die Beschreibung meines Weges Bestätigung oder Antrieb dafür finden, die eigenen Leidenschaften (und damit meine ich jetzt nicht die erotischen oder sexuellen) endlich neben allen Verpflichtungen und Anforderungen leben zu wollen. Also ein Leben zu definieren und es auch anzugehen, das den eigenen Bedürfnissen und dem eigenen Ich entspricht.
Dazu gehört nicht mehr, aber auch nicht weniger Mut, wie ihn Elli Hunter brauchte, um endlich durch die Straßen und Geschäfte deutscher Klein- und Großstädte bummeln zu gehen. Also durch das offen gelebte Bekenntnis auch zu diesem Teil meiner Persönlichkeit genau das zu leben, was ich möchte und was für mich und meine Entfaltung essentiell notwendig war und ist. Auch wenn ich immer dachte, Elli ließe sich nicht in mein „normales“ Leben integrieren, so ist es mir in dem Moment dann doch gelungen, als ich einfach dazu stehen musste, weil es für mich nicht mehr anders ging.

Noch vor zwanzig Jahre hätte ich im Traum nicht daran geglaubt, dass ich Elli Hunter irgendwann nicht nur offen und selbstbewusst leben kann, sondern darüber hinaus das, was ich sehr gut kann und was ich bin, zu meinem Beruf machen darf. Nämlich zwischen der Rolle als Mann und der einer Frau privat und beruflich immer dann, wenn ich es möchte, switchen zu können. Ich lebe dadurch meine gesamte Persönlichkeit privat und beruflich passioniert. Wer darf das schon von sich sagen? Und je mehr ich darin aufging, umso kreativer wurde ich. Selbst heute noch wächst in mir ständig ein Fundus von neuen Ideen, die ich mit Feuereifer und Herzblut realisiere. Das ist es, was ich vorhin mit Leidenschaft meinte. Wir können nur darin gut sein, was nicht nur voll und ganz unseren Talenten oder unserem Potential entspricht, sondern was wir auch mit Leib und Seele tun. Ich bin jetzt ich. Und dadurch erreiche ich, dass alles, was ich mache, authentisch ist und dadurch, durch dieses Echtsein, meinem Anspruch an Perfektion gerecht wird.

Eines meiner vielen Anliegen ist es, Menschen, die in denselben Schuhen gehen wie ich - also mal in eher derben, bequemen Tretern, mal in eleganten, die Fesseln unterstreichenden Pumps - aufzuzeigen, dass jeder „von uns” diese Entwicklung, wie ich sie beschreiben werde, genommen hat. Ich kann mit meinen Aufzeichnungen niemandem diesen Weg abkürzen. Aber ich hoffe von Herzen, dass es mir gelingen wird, viel von dem inneren, beißenden Druck nehmen zu können, um die beiden Seiten, die eigentlich ein Ganzes sind, zu harmonisieren und in einer Einheit zu leben. Auch soll meine Ex-Frau Renate in diesem Buch zu Wort kommen. Wir beide hoffen, dass ihre Sicht der Dinge, als die Frau, die mit Elli zwangsläufig konfrontiert wurde, anderen Paaren helfen kann, sich in dieser „Dreierbeziehung” mehr und mehr zu begegnen. Und nicht - wie es uns beiden leider zunächst passiert ist - endgültig zu entfernen und als Paar zu verlieren.

Ich möchte in diesem Buch jedoch nicht das Bild von einer Elli Hunter malen, die mit ihrem kirschroten Mund genüsslich und selbstgefällig auf dem Löffel der Weisheit herumlutscht. Auch wenn ich davon überzeugt bin, dass sich viele Menschen in meinen Beschreibungen wiederfinden werden, so erhebe ich weder den Anspruch auf Vollständigkeit noch auf Allwissenheit. Elli Hunter ist nicht die weibliche Tranvestitenpäpstin, die sich auf die knackigen Pobacken mit jenem roten Lippenstift das Wort „Unfehlbarkeit” geschmiert hat. Elli und Thomas sind auch nicht diejenigen, die schulmeisternd ausrufen möchten: „Schaut her, so und nicht anders sind die Dinge. So und nicht anders geht’s!”
Ich hoffe aber, dass es mir gelingt, mit meinen Gedanken zu meinem eigenen Werdegang und der Entwicklung (im wahrsten Wortsinne) meiner Persönlichkeit, die Thomas als Mann genauso umfasst wie Elli in ihrer Rolle als Frau, ein kleinwenig dazu beizutragen, die Fehler, die ich machte, anderen zu ersparen oder zumindest zu beschreiben - was sicherlich nun doch sehr gönnerhaft daherkommen mag. Ich möchte aber zumindest davon erzählen, wie ich, ElliThomas, ThomasElli, zu einem harmonischen Leben gefunden habe.

Ich möchte es an dieser Stelle nicht versäumen, mich bei den vielen Menschen von Herzen zu bedanken, die mir die Zeit nach meinem Outing nicht nur leicht gemacht, sondern mir darüber hinaus zu einem sich ständig steigernden Glück verholfen haben, indem Elli Hunter offen leben durfte. Viele dieser Menschen wissen gar nicht um den Umstand, dass ihr Verhalten Elli gegenüber dazu beigetragen hat, mich endlich ganz und angenommen fühlen zu dürfen. Es sind dies vor allem Nachbarn, Menschen aus meinem Wohnort oder der Umgebung, Mitarbeiter von Behörden, die durch ihre Reaktion auf Elli Hunter dazu verhalfen, Steinchen für Steinchen in ein Mosaik zu setzen, das jetzt ein vollständiges und für mich persönlich rundes Lebensbild ist.
Ich bin mir dessen bewusst, dass es den einen oder anderen nicht direkt Betroffenen nach der Veröffentlichung dieses Buches, wenn also auch der letzte Teil offenliegt, belustigen wird, dass sich ein Mann wie Thomas in Elli Hunters eleganten Kostümen, ihren Röcken und mit langen Wimpern mindestens genauso wohl fühlt wie in sportlichen Moleskinhosen und Herrenhemd. Aber keine Sorge: selbst dieses Lachen nimmt Elli Hunter dankbar an. Denn sie ist eine vergnügte, fröhliche, lebensbejahende und zielstrebige „Frau“, die aber auch schon mit vielen Gleichgesinnten die eine oder andere (innere) Träne verdrückt hat, jedoch sehr viel lieber kokett und - vielleicht manchmal ein klein wenig zu laut - von Herzen lacht!

Nicht nur für diejenigen der Leser, für die es sich bisher so angefühlt hat, als wären die teilweise leidvollen Erfahrungen nur eine Ausnahme und sie stünden mit dieser als belastend erfahrenen Persönlichkeit nahezu alleine da, gilt nach wie vor meine über die vielen Jahren hinweg bestätigte und an dieser Stelle schon erwähnte Erkenntnis:

„Du glaubst, keinen Transvestiten zu kennen?!
Aber viele Transvestiten kennen Dich!”

































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